Die Servicestelle Kinder- und Jugendschutz veranstaltet in Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Harz (PfD) am Donnerstag, 07. Mai 2026 von 9.00 bis 16.00 Uhr im Seminarhotel K6 in Halberstadt einen Fachtag zum Thema „Demokratie stärken – Radikalisierung vorbeugen“ – Präventionsansätze für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Demokratische Werte wie Respekt, Vielfalt und Teilhabe bilden die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Eine funktionierende Demokratie braucht gerade die junge Generation, um diese Werte zu leben und zu verteidigen. Kinder und Jugendliche benötigen Räume, in denen sie diese Werte erfahren, diskutieren und aktiv gestalten können.
Zunehmend werden Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit jedoch mit demokratie- und menschenfeindlichen Äußerungen von einzelnen Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Wie kommen Kinder und Jugendliche zu solchen Äußerungen? Wie verfestigt sind diese? Und wie gehen wir als Fachkräfte mit demokratiefeindlichen Parolen, Symbolen oder Verschwörungserzählungen um?
Darüber hinaus finden sich vermehrt extreme, gewaltbereite Jugendgruppen zusammen, die vor allem auch in digitalen Medien agieren. Damit stehen pädagogische Fachkräfte zusätzlich vor der Herausforderung, Radikalisierungstendenzen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Für die pädagogische Praxis lohnt es sich, einen Blick auf den Einstieg in solche gewaltbereiten Szenen, die Dynamiken und die Wechselwirkungen zu werfen.
Im Rahmen der Tagung möchten wir aktuelle Entwicklungen beleuchten, praxisnahe Präventionsansätze vorstellen und gemeinsam darüber diskutieren, wie demokratische Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen gestärkt werden können.
Der Fachtag bietet fachliche Impulse, Workshops mit vielen Beispielen aus der Praxis sowie ausreichend Raum für Austausch und Vernetzung. Ziel ist es, Fachkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen und gemeinsam Strategien zur Förderung demokratischer Kompetenzen zu erarbeiten.
Ablauf
Im ersten Teil der Tagung wird David Begrich von Miteinander e.V. einen Einblick in aktuelle Phänomenbereiche von Jugendgruppen geben.
Im zweiten Teil der Veranstaltung werden in unterschiedlichen Workshops Präventions- und Interventionsansätzen sowie mögliche Handlungsstrategien diskutiert. Sie haben die Möglichkeit, an zwei der folgenden Workshops teilzunehmen, die Auswahl erfolgt vor Ort bei der Anmeldung:
„Identität und Sinn – (digitale) Verlockungen des Extremismus am Beispiel Islamismus“
Wael Alokla, Clara Gabel (Fach- und Beratungsstelle Gewalt- und Radikalisierungsprävention SALAM Sachsen-Anhalt), Hans Goldenbaum (Hallesche Jugendwerkstatt gGmbH)
Unsere Lebenswelt hat sich mittlerweile stark ins Digitale verlagert, Kinder und Jugendliche verbringen dort den Großteil ihrer Freizeit. Über das Smartphone potenzieren sich Schönheitsnormen und Sexualisierung ebenso wie etwa die verwirrende Nachrichtenflut über nahe und ferne Krisen, über Gewalt und Ungerechtigkeit. Über das Smartphone wird aber direkt ein Angebot mitgeliefert, das verspricht, zu helfen – beim Ordnen, beim Stiften von Sinn und von Identität. Vielleicht auch beim Kanalisieren von Emotionen und Impulsen. Extremistische Narrative und Deutungsangebote sind dafür zentral, sie sind mit Memes, Chiffren und popkulturellen Logiken niedrigschwellig anzueignen und attraktiv. Am Beispiel des Islamismus betrachten wir im Workshop die Verlockungen des Extremismus.
„Hass, Memes, Propaganda – Was junge Menschen online sehen“
Max Neuhäuser (fairsprechen – Hass im Netz begegnen)
TikTok-Videos, Memes und Influencer-Content prägen zunehmend politische Wahrnehmungen junger Menschen – oft mit subtilen Botschaften, Provokation oder gezielter Desinformation. Gleichzeitig werden Online-Räume wie Klassenchats, Kommentarspalten oder Discord-Server immer wieder zu Orten von Hass, Abwertung und Hetze. Der Workshop gibt einen Einblick in Strategien digitaler Einflussnahme, insbesondere durch extremistische Akteure auf Plattformen wie TikTok. Anhand aktueller Beispiele wird gezeigt, wie solche Inhalte funktionieren, warum sie wirken und wie sie besser erkannt werden können. Ziel ist es, Handlungssicherheit im Umgang mit Hassrede, Desinformation und politischen Dynamiken in jugendnahen Online-Räumen zu stärken.
„Strategien zur Sensibilisierung gegen Antisemitismus“
Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (Hochschule Harz)
Im Rahmen der Kooperation der Hochschule Harz mit der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt sind neue Ansätze für modulare Bildungsangebote entwickelt worden, die Schüler:innen, Studierenden, aber auch Mirtarbeiter:innen in der öffentlichen Verwaltung und der Polizei einen besseren Blick auf die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Antisemitismus sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten vermitteln. Das gelingt durch die kombinierte Vermittlung von Grundlagenwissen zu jüdischem Leben und jüdischer Kultur durch Führungen und Projekttage im Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt mit den theoretischen Grundlagen und aktuellen Entwicklungen von Antisemitismus in Seminaren an der Hochschule Harz.
“Prävention braucht Haltung – Radikalisierung professionell begegnen”
C. Hoffmann (Miteinander e.V.)
Radikalisierung entsteht nicht im luftleeren Raum – und Prävention ist kein kurzfristiges Interventionsprogramm. Sie ist Beziehungsarbeit, Haltung und strukturelle Aufgabe zugleich. Im Workshop geht es darum, wie Radikalisierungstendenzen erkannt und eingeordnet werden können, ohne vorschnell zu dramatisieren oder zu bagatellisieren. Wir schauen auf konkrete Handlungsmöglichkeiten im pädagogischen Alltag: Wie positioniere ich mich klar? Wo setze ich Grenzen? Wie bleibe ich im Kontakt, ohne menschenfeindliche Aussagen stehen zu lassen?
„Demokratie stärken und Haltung zeigen – Elternarbeit zwischen Anerkennung und Positionierung“
Eva Prausner (Eltern Stärken)
Fachkräfte begegnen vielfach Verhaltensweisen von Eltern, die auf diskriminierende oder extrem rechte Orientierungen hindeuten. Auch Kinder übernehmen Vorurteile von Erwachsenen und grenzen damit Gleichaltrige aus. Wie lässt sich eine Kooperation mit Eltern im Interesse der Kinder gestalten, ohne deren problematische Position zu verharmlosen? Die Erarbeitung von Handlungssicherheit ist ein wichtiges Anliegen des Workshops.
Zielgruppe
Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte der Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt und ist für diese kostenfrei.
Anmeldung
Hier können Sie sich verbindlich für die Fachtagung am 7. Mai 2026 anmelden.
Wer sich schon jetzt mehr mit dem Thema auseinander setzen möchte, dem empfehlen wir unsere Handreichung „Jugendliche zwischen Orientierungssuche und Radikalisierung„.
Die Veranstaltung wird finanziert durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Sachsen-Anhalt. Weitere Partner*innen sind:




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